Ein Baltisch-Skandinavischer Sommer

Normalerweise beginnt mein Urlaub mit einer Fährfahrt, nicht so in diesen Sommer. Im Juli 2025 ging es zuerst nach Litauen, Lettland und Estland. Aber der Ausflug über die Baltischen Länder hielt mich nicht davon ab, wieder den hohen Norden zu besuchen. 

Zum Titelbild: Gamvik (in der Kommune Gamvik - Norge) war bis 1990 eine "Hurtigruten-Anlegestelle. Aufgrund der schlechten Hafenanlagen konnten die Schiffe der Hurtigruten aber nicht am Kai anlegen und mussten auf dem Meer bleiben. Ein Zubringerboot (die "Gamvik") wurde eingesetzt, um Passagiere, Post und Waren bei jedem Wetter zu transportieren. Aufgrund der teilweise rauen See wurde das Boot sehr stabil konstruiert. Die Gamvik wurde 1971 auf der Bootswerft von J.R.Aas in Vestnes gebaut. Von diesem Bootstyp gibt es nur Zwei Stück - das zweite liegt in Berlevåg.

Aber der Reihe nach:  

Eine wirkliche eindrucksvolle Reise mit vielen Erlebnissen begann irgendwo 😎 zwischen dem 09. und 14. Juli 2025. Direkt nach der Arbeit ging es mit dem bereits gepacktem Reisegefährt in Richtung Görlitz. Der Grenzübertritt nach Polen war kein Problem und weiter ging es auf gut ausgebauten Straßen bis nach Lódz. Hier erwartete mich südlich von Lódz unweit der Autobahn ein kleiner Wanderparkplatz, auf dem man bis zu 24 h stehen kann (eine Nächtigung war hier ausdrücklich erlaubt). 

Am nächsten Tag war ich dann auch schon in Lithuania. Nach der Grenzüberquerung blieb ich noch ein Stück auf der großen Autobahn - bis Marijampole, ab hier ging es auf kleinen Straßen weiter. Ziel war eigentlich ein kleiner Platz oberhalb von Klaipėda - beim Anruf aber leider erfahren, das sie keinen Platz mehr haben - also was neues gesucht. Danke dem Studium eines kleinen WoMo Reiseführers im Vorfeld fiel mir dann ein kleiner Übernachtungsplatz direkt an der Memel (Grenzfluß zu Kaliningrad) ein. Also die Richtung leicht geändert und immer an der Memel entlang. An einem Altarm der Memel finden sich dann gleich zwei Plätze die zur Übernachtung freigegeben sind. Vom Aussichtsturm kann bis nach Russland geschaut werden. 

Später kam noch ein polnisches Ehepaar - zusammen dann am Lagerfeuer polnische Bratwurst gegrillt. 

Der nächste Morgen begann mit Kaffee und einem kurzen Plausch mit der Grenzpatrouille, die hier auch gerade eine Kaffeepause machte. Mit Koffein versorgt ging es dann auch weiter, ein Zwischenziel für heute war das Bernsteinmuseum in Palanga. 


Der Palast (in dem sich das Bernsteinmuseum und ein Cafe befinden) ist vom Botanischen Park von Palanga umgeben, dessen Entstehung während des Palastbaus Ende des 19. Jahrhunderts begann. Der Entwurf für den Park stammt von dem bedeutenden französischen Landschaftsarchitekten Édouard François André (1840–1911). Der Entwurf für den Palast selbst stammt von dem in Berlin lebenden deutschen Architekten Franz Heinrich Schwechten (1841–1924). Seit 1963 beherbergt der Palast das Bernsteinmuseum als Teil des Litauischen Nationalen Kunstmuseum. Anfangs umfassten die Ausstellungen des Museums nur 96 Quadratmeter und zeigten 478 Exponate. Nach und nach entwickelte sich Palanga zu einem bedeutenden Zentrum für das Sammeln, Erforschen und die Popularisierung von Bernstein. Heute laden 15 Säle mit einer Gesamtfläche von 750 Quadratmetern und über 30.000 Exponate die Museumsbesucher zu einer umfassenden Auseinandersetzung mit Bernstein ein. Ein besonderes Exponat ist der 3,5 Kilogramm schwere "Sonnenstein" (Saules akmuo) aus baltischem Bernstein. Die Ausstellungen erzählen von der Entstehungsgeschichte des Bernsteins, seiner Verbreitung, seinen Handelswegen, seiner Verarbeitung und Verwendung.


Die große Sammlung von Bernsteineinschlüssen, die wohl die größte Aufmerksamkeit der Besucher auf sich zieht, ist die beliebteste Attraktion.


Eine wirklich sehr schöne Ausstellung, die einen Besuch wert ist. Auch der Park in dem das Museum liegt, lädt zu schönen Spaziergängen ein.

Von Palanga war das nächste geplante Ziel eigentlich ein kleiner Campingplatz im Gauja-Nationalpark in Lettland. Aber bei der telefonischen Nachfrage, ob Platz wäre wurde dann mitgeteilt das die Sauna "nur" 100,- € kostet - das war mir dann doch ein wenig zu viel - also die Pläne geändert.

Neues Ziel war dann Melnsils Kempings unterhalb von Kap Kolka! 

Auf dem Weg dorthin, etwa auf halber Strecke durch Aizpute (Lettland) gefahren. Aufgefallen ist hier gleich eine massive Steinmauer oberhalb der Straße - also mal rechts ran fahren. Es Handelt sich hier um die alte Ordensburg Hasenpoth.

Der Bau der Ordensburg durch die Bauherren Konrad von Haftstein und Balthasar Holte wird auf das Ende des 13. Jahrhunderts datiert. Die Burg diente dem Livländischen Orden hauptsächlich der Sicherung der handelsrouten zwischen Livland und Preußen. Auf der gegenüberliegenden (östlichen) Flußseite wurde ein Gegenstück - die Bischofsburg Hasenpoth errichtet (erste urkundliche Erwähnung war 1338). Die Bischofsburg wurdeab 1583 aufgegeben und die Steine zum Bau von Häusern verwendet. An Ihrer Stelle steht heute die Kirche St. Johannis.

Nach diesem kleinen Geschichtsausflug ging es weiter durch die historische Region "Kurland". Nach einigen Kilometern hatte ich das Meer nun auf der rechten Seite und fuhr Richtung Norden. Noch ein paar Meter und das Ziel war erreicht.

Fast schon ein Naturcampingplatz - die große Campingwiese (zwischen Düne und Wald) war teilweise immer noch sehr matschig durch den Regen der vergangenen Wochen, aber ein halbwegs trockenes Plätzchen wurde gefunden. Auch besteht die Möglichkeit in wiederaufgebauten deutschen Unterständen und Bunkern aus dem WW2 zu übernachten. Es stehen auch einige Übernachtungsfässer zur Verfügung und weitere Übernachtungsorte findet ihr auf der Homepage (Reinschauen lohnt). Mein Highlight auf diesem Platz - ganz klar die kleine Blockbohlensauna. Diese kleine Blockhütte ist immerhin schon über 100 Jahre alt und steht direkt am Strand. Ein faszinierendes erstes Saunaerlebnis in diesem Urlaub 😎. Leider hier auch festgestellt das der sogenannte Schwerlastauszug mit angegebenen 75 kg Last - die Kühlbox mit gerade mal ca. 20 Kilo nicht schafft - ein Auszug hat sich verabschiedet - hier sind die Stahlkügelchen rausgekullert. 

Nach einer ruhigen Nacht, ging es am folgenden Tag auch schon wieder weiter - erster Stop war in Riga ein Baumarkt in der Hoffnung, ich finde einen gleichartigen Auszug für die Kühlbox. Leider ohne Erfolg - naja dann eben weiter auf der E67 immer in Richtung Norden. Kurz vor der Grenze nach Eesti  auf eine kleiner Straße abgebogen und schon war ich in Estland. Nach ein paar Kilometern dan das heutige Ziel liegt wieder direkt am Meer - Metsaluige Kämping.

Wer mal herkommt, dem empfehle ich einen Besuch im Platzeigenen Restaurant - sehr lecker und normale Preise. Auch die platzeigene Sauna mit Pool ist einen Besuch wert.


Weiter geht es - vorbei an alten Höfen, wirklich schade zu sehen wie die alten Gehöfte langsam verfallen.  Vorbei an Pärnu bis zum Fährhafen in Virtsu, hier dann mal kurz die Fähre genutzt und schwubs war ich auf Muhu - der drittgrößten Insel in Eesti. 

Nach einem kurzen Halt in Liiva für einen kleinen Einkauf und die Muhu Kirche anzuschauen, ging es weiter zu dem kleinen Windmühlenmuseum (Eemu tuulik). Dies befindet sich kurz vor dem Straßendamm nach Saaremaa auf der linken Seite und ist eine kurze Rast wert.

Über den folgenden Straßendamm (Väinatamm) geht es dann rüber auf Estlands größte Insel "Saaremaa". Nachdem ich im Vorfeld mich ein wenig belesen hatte, hier das eine oder andere Zwischenziel ausgesucht. Den Anfang machte ein alter Burgwall (Burgwall Valjala). Die Überreste und die darin gefundenen Wege ähneln stark den bekannten Trelleborgen der Wikinger. Ob diese Wallanlage aber tatsächlich von Wikingern erbaut wurde ist fraglich - dennoch steht hier ein Runenstein. 

Fest steht aber, dass die Vorzeitliche Wallanlage sehr wohl in Benutzung war und Ende des 12. Jahrhunderts erbaut wurde. Ende des 13. Jahrhunderts wurde die Anlage, laut Funden niedergebrannt. 


In der Nachbarschaft zu der Wallanlage liegt ein ca. 4.000 Jahre altes Zeugnis eines Eisenmeteoriten. Nur gute 5km in WSW-licher Richtung liegt der Kaali-Meteoritenkrater. Das Zentrum dieses Einschlages ist heute ein Tümpel mit ca. 50m Durchmesser, umgeben von einem ca 16 Meter hohen Erdwall mit ca. 110m im Durchmesser. In der näheren Umgebung befinden sich noch weitere acht Nebenkrater. 

Der Meteorit der diesen Krater verursachte, wird auf ein Einschlagsgewicht von 20 bis 80 Tonnen und einer Aufprall-geschwindigkeit von 10 bis 20km/sec geschätzt.  An der Straße gibt es ein entsprechendes Museum.


Der nächste Zwischenhalt waren dann die Schiffsgräber von Salme. Das erste wurde erst 2008 durch Straßenbauarbeiten entdeckt. Das Schiff Salme 1 beherbergte die Überreste von sieben vermutlich männlichen Personen. Das zweite Schiffsgrab (Salme 2) wurde 2012 nur 30m vom ersten entfernt gefunden. In diesem Grab befanden sich die Überreste von 33 Personen. Salme 1 war noch als Ruderboot gearbeitet, Salme 2 wies aber bereits einen Kiel auf, so dass es gesegelt werden konnte. Beide Schiffe befinden sich in unmittelbarer Nähe der damaligen Küstenlinie. Die Landmassenhebung auf Saaremaa liegt bei ca. 2,5 m pro Tausend Jahre. Anhand von den Schiffsteilen die beim Fund noch erhalten waren, konnte das Alter von Salme 1 & 2 wird derzeit auf 700 - 750 n.Chr. datiert. Also Jahrzehnte vor dem offiziellen Beginn der Wikingerzeit.  Alles sehr interessant und für mich ein Grund nochmal hier her zu fahren.

Für Heute ging es jetzt dann auf die letzte Etappe - Ziel war heute der Muhu-Ranna Campingplatz. Unweit der Küste, keine 10 km von Salme entfernt, ein einzelner Hof. Aber mit einem besonderen Ambiente und sehr netten Gastgebern. Ein Plätzchen für Bulli war schnell gefunden und schon wurde die Sauna angefeuert.

Der Abend wurde dann zusammen mit den Platz-Nachbarn Conni und Enni verbracht.

Am nächsten Morgen hieß es dann: Auf nach Hiiumaa - der zweitgrößten Insel von Estonia. Laut meinen gestrigen Platznachbarn muss es hier noch richtig "wild" sein. Bis zur zweiten estnischen Unabhängigkeit (die erste 1918 - die zweite 1991) war die gesamte Insel militärisches Sperrgebiet. Dadurch konnte sich hier die  Flora entsprechend entfalten. Archäologische Funde deuten auf eine Besiedlung der Insel im 4. vorchristlichen Jahrhundert hin.
Erstmals urkundlich erwähnt wurde sie 1228 als Dageida. 1254 wurde sie zwischen dem Schwertbrüder-Orden und dem Bistum Ösel-Wiek geteilt. Von 1563 bis 1710 stand die Insel unter schwedischer Herrschaft. 1710 wurde sie im Großen Nordischen Krieg von Russland erobert. Gemäß den Bestimmungen des Friedens von Nystad musste Schweden die Insel 1721 an das Russische Kaiserreich abtreten. Fortan gehörte Hiiumaa zum Gouvernement Estland, einem der drei Ostseegouvernements. Viele der ansässigen Estlandschweden emigrierten oder nahmen unter der Zarenherrschaft die estnische Sprache an.


Nach diesem kleinen Geschichtsausflug ging es von dem Kleinen Fährhafen bei Leisi (Saaremaa) rüber zum Hafen von Söru (Hiiumaa). Im Hafen von Söru steht eine schöne Skulptur von Ivo Mändi - die Skulptur zeigt die "Mutter des Meeres" - Mereema. 

Aber meine ersten Ziele auf der Insel galten der Seefahrt - die Leuchttürme Kõpu und Ristna weckten bei der Vorplanung bereits mein Interesse. 

Der Leuchtturmriese Kõpu war der Erste  - Ein Weißer Gigant: Der 36 Meter hohe Turm steht auf einer natürlichen Anhöhe - dem höchsten Punkt von Hiiumaa mit knapp 68 Metern, somit leuchtet er 102,6 Meter über dem Meeresspiegel - das höchste Leuchtfeuer an der gesamten Ostsee.

Das erste Dokument über sein Dasein ist auf 1531 datiert - vermutlich stand aber bereits ab 1500 ein Leuchtfeuer - im Jahr 1500 erhielt der Magistrat von Tallin die Erlaubnis an dieser Stelle ein Wahrzeichen zu errichten. Die Westküste von Hiiumaa war schon immer eine wichtige Schifffahrtsstraße, besaß aber viele vorgelagerte flache Riffe.

Die Geschichte des ältesten Leuchtturms nicht nur in Estland, sondern überall in den baltischen Staaten und an der Ostsee reicht über 500 Jahre zurück, als in der Hanse Landmarken (Wahrzeichen) benötigt wurden, um Schiffe zu leiten. Die wichtigste Ost-West-Handelsroute Nordeuropas führte an der Insel Hiiumaa vorbei, und Kaufleute beklagten sich über verlorene Schiffe auf der Ostsee. Dies führte zum Bau des Leuchtturms in Kõpu, um Schiffe vor dem niedrigen Wasser vor der Insel zu warnen.

Auch heute kann man den weißen Gigant bei klarem Wetter bis zu 50 km weit sehen.

Info: Der älteste Leuchtturm Deutschlands steht in Travemünde - der 1539 erbaute "alte Leuchturm" (gegenüber der Viermastbark Passat).


Nach einer kleinen Stärkung im Cafe unterhalb des Leuchtturmes Kõpu ging es noch ca. 11km weiter westlich bis zur Spitze der Halbinsel - Hier steht der 1874 erbaute Ristna Leuchtturm. Sein Feuer leuchtet 36,9m über dem Meeresspiegel. Errichtet wurde er, um im Winter vor Treibeis zu warnen. Ein weiterer Grund waren die häufigen Nebel, durch die der alte Leuchtturm Kõpu kaum erkennbar war.


Da es unter der Woche war entschied ich mich auf einen der vielen RMK Plätze (siehe auch HIER) zu fahren. In netter Nachbarschaft fand ich ein wirklich nettes Plätzchen und es wurde ein sehr schöner Nachmittag / Abend mit einem grandiosen Sonnenuntergang. Die RMK-Plätze sind echt schön - ich hoffe nur das sie auch in Zukunft so schön bleiben. Auf diesem Platz gibt es zwei Trockentoiletten und im Einfahrtsbereich einen großen Müllsammelplatz.



Und wieder einmal stand "Fähre" auf dem Tagesplan. Heute sogar zweimal 😎⛴.

Die erste Fähre brachte Bulli und mich von Hiiumaa wieder ans Festland (und ehrlich war der Abschied von den Inseln nicht leicht). Da war stand ich nun in Haapsalu und mein nächstes Ziel war eigentlich Tallinn. Eigentlich 😉, ich fahre so nach Haapsalu rein und schwubs - sehe ich richtig alte Lokomotiven und Waggons vor mir - schnell rechts rann und Parkplatz gesucht.  Ich stand vor dem ehemaligen Bahnhof Haapsalu. Heute ist hier das Eisenbahn- und Kommunikationsmuseum untergebracht. Der historische Bahnhof wurde 1904 erbaut und ist bekannt für seinen einst mit 216 Metern längsten überdachten Bahnsteig Europas. Der prachtvolle Bahnhof besteht aus mehreren Gebäuden: dem eingeschossigen Passagierterminal, einem zweigeschossigen Wartesaal, einem Zugleitstand, einer überdachten Terrasse und dem 216m langen überdachten Bahnsteig.

Der letzte Zug ist hier 2004 gefahren (ein Güterzug - der Personenverkehr wurde bereits 1995 eingestellt). Die Gleisanlagen außerhalb des Bahnhofs wurde größtenteils abgebaut und werden heute als Radwege genutzt.

Von Haapsalu ging es dann weiter bis nach Tallinn. Da noch genügend Zeit bis zur Fährabfahrt war, hatte ich mir ein nettes Zwischenziel rausgesucht - die Raua Sauna mitten in Tallinn. Ein sehr angenehmer, heißer Besuch 😊.

Aber dann hieß es wirklich - Goodbye Eesti, So long Balticum die Viking Fähre legt ab.  Nach gut 2,5 Stunden Überfahrt = Finnland ich bin wieder da!




Der Reisebericht wird immer noch gestaltet. 

Schaut gerne mal wieder vorbei

Die Bildergalerie ist aber schon mal fertig 😉


Bildergalerie Sommer 2025: